Jahresgabe

Pairing II

Desto, Monique S.

Auf den ersten Blick sind sich die beiden Arbeiten von Monique S. Desto sehr ähnlich: Pairing I und II zeigen eine surreale, dunkel-violette Landschaft. Beide teilen dieselbe Grundkomposition mit ihren abstrakten Formen, beide Arbeiten bestehen aus Latex und beide verwenden ähnliche Farben. Identisch sind sie aber nicht: Einmal erscheint das Bild klar umrissen – beim anderen sind die Konturen verwaschen. Das zweite Bild erscheint fast wie eine einmal um sich selbst gestülpte Variation des ersten, zwei Stimmungen einer gemeinsamen Bildwelt.

Im Vordergrund des Motivs liegt ein Gegenstand, der an einen kabellosen Bluetooth-Kopfhörer erinnert. Er findet sich in buchstäblich falschen Verhältnissen in einer Landschaft wieder, in der er vom üblichen Maßstab stark entfremdet erscheint. Verloren und entkoppelt von allem, was sich um ihn herum befindet, aber dem Titel nach bereit zum Pairing, also dem Verbindungsaufbau. Womit er die Verbindung sucht, ob dem Gegenstück in der anderen Arbeit, der Betrachter:in oder der surrealen Landschaft, bleibt jedoch offen.

Monique S. Desto malt mit Latex, was einen spiegelverkehrten Malauftrag erfordert. Für Pairing hat Desto das Motiv der beiden Arbeiten einmal in Holz und einmal in Acrylglas geschnitzt. Die erste, nun in der fertigen Arbeit oberste Schicht Latex nimmt Abdrücke und strukturelle Spuren der beiden Maluntergründe mit auf – einmal mit matter, sanfter Maserung, einmal glänzend glatt. So bleiben die beiden Pairing-Arbeiten, auch nachdem sie von ihren Maluntergründen abgelöst wurden, mit ihrem einstweiligen Gegenüber verbunden. Pairing I und II werfen Fragen nach Nähe und Unterschiedlichkeit, nach Verbindung und Loslösung, nach Wiedererkennung und Fremdheit auf. Sie verweisen aufeinander, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.